In 80km um den See.

So hat es angefangen…

Ich bin am Freitag nachmittags in Coniston angekommen, voller Aufregung und Anspannung. Ich habe was leichtes gegessen mit meiner Familie und bin danach zur Registrierung gegangen. Und dort habe ich mein erstes Problem gehabt! Die wasserdichte Hose, die ich beim Training anhatte, hat nicht den Renn-Standards entsprochen, weil Sie keine getapeten Säume hatte. Ich kam mir sehr blöd vor, als ich zum nächsten Outdoor Store lief. Nach einem kurzem Palaver bin ich zuruck zum Headquarter (HQ), wo jetzt eine 20 Mann lange schlange war. Zum Glück hat mich das Mädchen, das mein restliches Kit geprüft hat gesehen und mich durchgewinkt. Jetzt, endlich registriert, habe ich mich umgeschaut, und alles, was ich denken konnte war, dass ich zuviel gepackt hatte. Ich habe den Großteil des Abends damit verbracht zu grübeln, auszupacken und wieder einzupacken, und nicht damit mich zu konzentrieren und die Strecke zu studieren.

Bevor ich wusste, wie mir geschah, war ich schon beim Briefing in Coniston. Die Organistoren  haben einen großartigen Vortrag gehalten. Und die Worte des Chef-Organisteurs würden sich später als richtig erweisen, “vergesst Zielzeiten, kommt einfach ins Ziel”. Obwohl mein maximal Ziel 12 stunden waren, habe ich ziemlich bald zum Plan B gewechselt.

Etappe 1: Dalemain nach Howtown – 17.8km – 294 Höhenmeter – 1h:46m

Es hat sich großartig angefühlt, endlich unterwegs zu sein. Viele Monate – zugegebenermaßen spärliche- vorbereitungs kamen endlich zum einsatz, als ich meiner Reise nach Coniston antratt. Ich habe irgendwann mit zwei Jungs geredet, beiden waren gut darauf und hatten einige gute Tipps fur einen Anfänger. Irgendwo in dem Geplauder habe ich vergessen, genug zu trinken. Das würde mich bald verfolgen. Ich bin in Howtown in guter Form angekommen und auch eigentlich in guter Zeit.

Etappe 2: Howtown nach Mardale Head – 15.2km – 765 Hm – 2h:50m

Die Sonne brannte heiß vom Himmel als ich zum längsten anstieg des Rennens kam. Ich habe versucht meine Hax’n zuschönen, in dem ich zwischen joggen und Power-Walking abgewechselte. In den Nähe von des Gipfels bekam ich einen trockenen Mund aber ich habe das nicht wirklich beachtet, weil ich mich auf das Rennen und die schönen Umgebung konzentriert habe. Auf dem Aufstieg nach Haweswater habe ich meinen Knöchel umgeknickt. Ich habe 4 Tage später rausgefunden, dass ich die Bänder in meinem Füß und Knöchel gesterrt habe. Das Tal in Haweswater war brutal heiß, fühlte sich an, als ob das Gebüsch die Hitze abstrahlte.

Ich konnte nicht sagen ob ich dehydriert war oder ob meine Muskeln weh taten. Auf jeden Fall gehen es mir gar nicht gut. Es fühlte sich an als ob ich alle funf minuten meine unterschenkel diehnte. Nach ungefähr 27-29km habe ich schließlich ein bisschen Schatten gefunden. Eine Frau hat mir beim vorbeilaufen eine Salztablette gegeben, noch etwas an das ich nicht gedacht haben. In diesen Moment stellte ich ernsthaft in Frage, ob ich dieses Ding schaffen kann, und die einzige Antwort, an die ich denken konnte, war nein. Schließlich habe ich mich zum Checkpoint (CP) geschleppt. Ich habe eine Pause von ungefähr 15 minuten gehabt, zum trinken und ein bisschen was essen. Ich versuchte an meinem Wasservorrat zu kommen, nur um festzustellen, dass der Reißverschluss kaputt war. Ich habe die Race Marshalls um Hilfe gebieten, aber alles was ich denken konnte war ‘bitte disqualifiziert mich’. Ich dachte, das wäre ehrenhafter als aufhören. Schließlich habe ich die Marshalls um eine Messer gebeten, den Rucksack aufgeschnitten, und zusammen gesteckt mit Sicherheitsnadeln. Dieser Rückschlag hat mich gut eine stunde gekostet. Dann habe ich an den Vorschlag des Cheforganistors gedacht, der gesagt hatte “Wenn du denkst dass du aufhören musst, geh eine Meile und schau wie es dir geht”. Ich schnaufte tief durch und fing langsam an den Gatscarth Beck zu steigen.

Das Bild ist von nach dem ersten CP, als ich ziemlich frisch war!

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Etappe 3: Mardale Head nach Kentmere – 10.4km – 511 hm – 2h:31m

Ehrlich gesagt erinnere ich mich nicht an zu viel von dieser Etappe. Ich erinnere mich an den ersten Anstieg und die mörderischen Trittsteine über Feldmauern und daran, wie ich am Ende beim CP angekommen bin. Ich weiß aber noch, dass ich schwerigkeiten hatte, was man auch an meiner Zeit sieht. Ich habe 20 Minuten Pause gemacht, einen kleinen Teller Nudeln gegessen, mein Wasser aufgefühlt, mich gedehnt und wieder getrottet.

Etappe 4: Kentmere nach Ambleside – 11.8km –  491 Hm – 2h:19m

Obwohl es gar nicht einfach war, war das vielleicht das schönste Stück des Rennens. Die Aussicht von Robin Lane auf Lake Windermere war atemberaubend. Das Lake District macht mich immer etwas nostalgisch. Es fing an zu regnen kurz bevor ich in Ambleside war und ich habe Angst bekommen, weil mein Rucksack scheinbar schwerer wurde! Es hat sich sehr gut angefühlt, durch Ambleside zu laufen, weil die Leute in den Biergärten die Läufer anfeuerten. Das hat mich unglaublich aufgebaut. Ich habe meine Eltern dort getroffen. Sie haben mich gefragt, wie ich mich fühlte und die einzige Antwort, die ich herausbrachte war “F****d’! Ich hatte ein Käsebrot und eine Tasse Tee, in meinem fertigen zustand war das vielleicht die beste Tasse Tee, die ich je hatte. Der Marshall am CP hat mir geholfen, meinen Rucksack mit Gaffertape zuzukleben, damit er wasserdicht war. Ich habe meine Stirnlampe angeschaltet und dann bin ich durch Rothay Park losgelaufen.

Mein Rucksack nach dem Rennen:

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Etappe 5: Ambleside nach Chapel Stile – 9km – 234 Hm – 1h:48m

Ich bin mit ganz guter Laune losgelaufen, weil ich meine Eltern gesehen hatte, die Marshalls am Cp so hilfsbereit waren und einfach weil ich in Rothay Park war.

Mit der Dunkelheit ging der Regen richtig los! Schließlich, hängte ich mich an eine kleine Gruppe, die eine gute Geschwindigkeit hatte. Weil ich keine Aufkärungstage hatte, war ich ganz dankbar, weil diese Gruppe die strecke gut kannte. Ich bleib bei der Gruppe bis ca. 2 km vor dem CP, aber dann wurde ich langsamer, weil mir schwindlig war und ich Krämfpe in den Haxen hatte.

Als ich mich durch den Campingplatz in Great Langdale kämpfte war mein einziger Gedenke, dass ich fix und fertig war. Als ich im CP saß, war mir so kalt, dass mir die Zähne klapperten. Die Marshalls haben mir bestens geholfen. Sie haben die Batterien in meiner Stirnlampe gewechselt, mir eine Tasse Tee gemacht und mir gesagt, dass ich warme Kleidung anziehen soll. Zwei Jungs im CP wurden medizinisch versorgt und in diesem Moment habe ich gedacht, dass ich das auch brauche. Ich war bereit aufzegeben. 16 Kilometer von Coniston haben sich angefühlt wie eine Ewigkeit, und ich konnte es einfach nicht schaffen. Für eine Stunde oder so sagte ich mir immer wieder, genug ist genug. Dann kam im Radio das Lied ‘Roll With It’ von Oasis, “Yer gotta roll with it, yer gotta take yer time…”, und so doof wie es klingt, das hat mich richtig aufgebaut. Ich bin aufgestanden, habe meine Oasis playlist angemacht und lief weiter.

Etappe 6: Chapel Stile nach Tilberthwaite – 10.6km – 387 Hm – 3h02m

Mit dem tröstlichen und ablenkenden Klang von Oasis in meinen Ohren bin ich im strömenden Regen und im stockdunkeln losgegangen. Die Strecke war sumpfig, aber schon ziemlich ausgtretten. Ich schaffte es, zu joggen und nach ca. 2,5 km – 4km habe ich eine Mädchen, Kate, getroffen und wir kamen ins Gespräch. Sie war unglaublich gut darauf, trotz der schwerigen Bedingungen, und ihre Positivität hat mir geholfen, kurzzeitig meine Schmerzen zu vergessen. Sie schien den Weg zu kennen wie ihre Westentasche als wir uns durch die matschigen Felder kämpften. Ich war extrem dankbar, weil Orienterung in diesem schwerigen Punkt mich fertig gemacht hätte!

Als wir auf den CP in Castle Howe zukamen schein es, als on andere Läufer aus dem Nirgendwo auftauchten. Der Blick zurück auf das Feld von dem höheren Punkt ist ein Bild, das immer mit mir bleiben wird. Dutzende Stirnlampen, die sich durch das Feld schlängelten und nach dem Weg suchten. Nachdem ich Kate überredet hatte, von hier an zusammen zu laufen, haben wir ein bisschen mehr Gas gegeben. Endlich stolperten wir in den letzten CP. Es war eine Erleichtung zu wissen, dass es nur noch 5,4 km zum Ziel waren. Aber ein Blick auf dem nächsten Schritt war erschreckend. Eine steile Steintreppe hat uns erwartet. An diesem Punkt wurde ich auch von Verdaungsproblemen geplagt, weil ich fast nur Zucker und Wasser gehabt hatte in den letzten 13 Stunden.

Die letzte Etappe: Tilberthwaite nach Coniston – 5.7km – 283 Hm – 1h:48m

Also ich habe 6-8 Blasen, meine Fußsohlen brennen wie Hölle, aber sie sind naß bis auf die Knochen. Meine Waden fühlen sich an, als waren sie aus Granit, ich habe exteme schmerzen in den knocheln und meine Knien geht’s auch nicht gut. Noch schlimmer, ich kann fühlen, wie mein rechter Hüftknocken gegen die Gelenkpfanne schabt. Ich habe über die Hüftverletzung in meinem ersten Blogpost geschrieben, aber ich habe bis jetzt noch nie Schmerzen in den Knochen gehabt. Schließlich fühlen sich bestimmte Stellen so aufgrieben an, als ob ich sie durch Glasscherben gezogen hätte. Aber es sind nur noch 5,7km. Auf geht’s.

Ich rede mir ein, sobald ich diese Treppe geschafft habe, bin ich so gut wie da. Aber ich lag falsch. Die Treppen fühlen sich an wie eine Ewigkeit und mein Körper schreit die ganzen Zeit nein! Und ich musste noch die Klamm nach Coniston hinunter überwinden, die sich im Beschreibungs-Buch ziemlich furchtbar anhört. Irgendwie haben mir brennende Leidenschaft in mir und auch die Kamradeschaft von Kate –  über die Ziellinie in Coniston zu kommen. Ich kam an mit einer Zeit um 16st 14min. Damit muss ich zufrieden sein angesichts dessen, was mein Körper durchmachen musste. Ich bin stolz, die Lakeland 50 geschafft zu haben. Am Ende habe ich gesagt, ich würde sowas nie wieder machen. Aber jetzt, wo ich Zeit hatte alles zu verdauen, habe ich Lust auf mehr. Schau ma moi, wie ich mich von der OP im September erhole, aber ich freue mich auf die nächste Herausforderung, was immer das auch sein mag.

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